GRV nach dem 2. Weltkrieg (1945-2000)

Sieben Jahre nach Kriegsende, im Jahre 1952 konnte das Beethoven-Gymnasium, das sich zuvor ein Gebäude mit der Liebfrauenschule geteilt hatte, wieder in seine ursprünglichen Räumlichkeiten an der Adenauerallee zurückkehren. In diesem Jahr ist es auch, dass der Lehrer Rolf Locke für die Schule einen A-Riemenvierer, einen C-Doppelvierer und einen A-Doppelzweier anschaffen konnte und eine Ruderriege innerhalb des Gymnasialen Turnvereins, sozusagen eine Unterabteilung, gründete. Ziel dieser Riege war es, "möglichst vielen Schülern Gelegenheit zu sportlicher Betätigung zu geben, die Freude am Wanderrudern zu wecken und die Jungen mit dem Verein vertraut zu machen." In einzelnen Klassen wurde Ruderunterricht durchgeführt. Dadurch, dass sich der Verein einst selbst auflöste erschien die Anschaffung von Booten nun seitens Stadt und Land fördernswerter.

Dennoch blieb die Teilnahme an Regatten den "richtigen" Rudervereinen überlassen, und so ruderten BG-Schüler auch in anderen Bonner Vereinen mit, wie dem BRV, der BRG und dem ARC Rhenus. 1956 stieg das Ruderinteresse unter den BG-Schülern stark an, und Herr Locke bekam tatkräftige Unterstützung durch Herrn Stud. Ass. Dieter Kissenbeck.

Nachdem Herr Locke 1957 aufgrund der steigenden Belastung von Schulseite her von der Betreuung der Schülerruderer zurückgetreten war, übernahm Herr Kissenbeck vollständig das Amt des "Protektors", des auf Kollegiumsseite für die Ruderer zuständigen Lehrers. In den letzten 5 Jahren waren einige Schüler durch ihn zu Steuerleuten ausgebildet worden, und so kam es 1958 zur Wiedergründung des GRV. Die neue Satzung des am 12. März gegründeten Vereins ging von Anfang an vom Prinzip der Selbstverwaltung der Schüler aus, der Protektor war dem Verein "zur Seite gestellt". Der Stander wurde beibehalten. Erster Vorsitzender wird Roland Horster, dessen Vater und Onkel bereits im "alten" GRV gerudert hatten. Die 60 Mitglieder erruderten die nach der Neuanschaffung eines Riemen- und eines Doppelvierers 26000 Kilometer.

Es wurden auch wieder erste Wanderfahrten veranstaltet, wie 1959 nach Holland und 1962 auf die Donau ins Österreichische Ausland. 1964 ruderte man im Rahmen eines Oxfordbesuches auf Einladung von M.T.Nock auch auf der Themse. Mit dem BRV wird eine Absprache getroffen, nach der alle GRVler ohne Eintrittsgebühr und bei Beibehaltung ihrer im GRV erworbenen Ruderklasse in den BRV übertreten dürfen. Daher wurde auf eine Wiedergründung des Altherrenverbandes verzichtet.

Ein bedeutungsreiches Jahr war 1967, in dem der GRV, nachdem er zuvor an drei anderen Plätzen sein Zuhause hatte, in die neue Bootshalle direkt am Beethoven-Gymnasium zog. An den neuen Ruderkeller schließt sich ein Trakt mit Trainingsraum, Clubraum, Umkleide und neuerdings (2002) auch Küche an, des weiteren besteht eine Verbindung in die darüber errichtete Gymnastikhalle, welche sanitäre Einrichtungen bietet. Die Schülerzahlen waren in den letzten Jahren um fast 40% gefallen, und so war auch der Verein von 60 auf 30 Mitglieder (6 Ruderer und 24 Anfänger) geschrumpft. Des weiteren erhielt er Konkurrenz in Form von Basketball- und Leichtathletikgruppen am BG.

Seit dem Jahre 1969 beinhaltet die Schülerschaft des Beethoven-Gymnasiums nun beide Geschlechter, und die ersten Mädchen bekundeten ihr Interesse am Rudersport. Herr Kissenbeck übergab sein Protektorenamt an Herrn Lindner. Die Ruderleistung betrug 30.000 Kilometer und wurde gekrönt durch mehrere Regattaerfolge, die sich auch durch die nächsten Jahre halten sollten. Die Nordbrücke wurde gebaut.

In der Kilometerstatistik des Deutschen Ruderverbandes, in dem der GRV Mitglied ist, lag er in den nächsten 10 Jahren in der Schülerrudervereins-Wertung fünf Mal auf dem ersten Platz und fünf Mal auf dem Zweiten, also eine wahre Erfolgszeit. Seit 1972 bereichert auch die Südbrücke die Bonner Brückenlandschaft. 1973 übernahm wiederrum Herr Kissenbeck das Amt des Protektors, um es aber schon 1977 wieder an Herrn Klemmt abzugeben. Diverse Regattaerfolge krönten diese Zeit, die Mitgliederzahl hielt sich konstant bei 60-70 und seit 3 Jahren ruderten auch die Mädchen sehr erfolgreich mit, was sich in der Gründung einer Mädchenriege wiederspiegelte. Bleibt noch die Stiftung eines Pokals durch Altherren und Eltern der GRVler zu nennen, der ab sofort dem Wanderfahrtenstärksten Ruderverein jedes Jahr aufs neue Verliehen werden sollte.

Mit rund 65.000 Ruderkilometern stellt der GRV 1978 einen neuen Rekord unter den Schülerrudervereinen Deutschlands auf. Wanderfahrten nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden, England, der Schweiz, Frankreich und Österreich zeichneten ein buntes Bild der vielfältigen Ruderaktivitäten im GRV. Auch die Flotte unterzog sich in diesem Jahrzehnt einem Wandel: Die Vierer "Petersberg" (1970) und "Drachenfels" (1973) wurden durch die Neuanschaffung der Vierer "Petersberg II" (1972), "Dominik" (1973, Rennvierer) und Flotter Otto (1975), sowie eines Zweiers 1971, eines weiteren Zweiers "Lellbeck" (1972) und die Anschaffung des ersten Kunnststoffbootes, der "Wasserwanze" (3er, 1974) ausgeglichen.

Auf der längsten Regatta der Welt, einmal herum um den Genfer See (150 KM), hinter vorgehaltener Hand auch die WM der Langstreckenruderer genannt, ruderten GRVler 1979 das erste Mal mit, es sollten noch viele Teilnahmen folgen.

Seit dem Jahr 1980 gibt es von Seiten der Stadt keine Zuschüsse mehr für Schülerrudervereine, die finanzielle Lage änderte sich also gewaltig und anstatt jedes Jahr ein neues Boot zu kaufen machte man sich nun mehr Gedanken, wie man die vorhandenen Boote in Schuss halten könne. Dies wird deutlich in den mahnenden Worten der Bootswarte in den jährlichen Jahresberichten, die den rücksichtslosen Umgang mit dem Bootsmarerial beklagen. Ein ganz aktuelles Problem findet sich auch in den alten Jahresberichten: Schon damals bestand ein kleiner Kreis aus aktiven Ruderern, wogegen der restliche Verein eher den gemütlichen Clubraum am GRV schätzte. Herr Klemmt gab sein Protektorenamt 1981 an Herrn Herpel weiter und das Vorsitzendenamt wurde erstmals durch eine weibliche Person, Christel Volk bekleidet.

1983 dann wurde der Sperrholz-Vierer mit Steuermann "Panta Rhei" (Griechisch für: "Alles im Fluss") angeschafft, der lediglich durch die Regattamannschaften im Training und auf Regatten eingesetzt wird. Im selben Jahr kamen auch einige GRVer darauf, dass der Verein einen eigenen Bootsanhänger gut gebrauchen könnte, und bauten kurzerhand einen selbst. Das Ruderinteresse unter den Anfängerjahrgängen sank jedoch infolge von rohen Aufnahmeriten und allzu Desinteressierten Ruderern in den folgenden Jahren und führte um die Jahrzehntwende zum Rekordtiefststand von 7 Mitgliedern. Doch dann legte man sich richtig ins Zeug: Durch engagierte Arbeit der Mitglieder wurde die Krise, wie jede andere zuvor auch überwunden. 1994 wurde der Dreier mit Steuermann "100%" gekauft.

Sein 100. Stiftungsfest feierte der GRV am 10. Juni 1995 mit einer Regatta zwischen Schülern, Lehrern und Ehemaligen, der Überreichung einer Gratifikation der Stadt in Höhe von 1000 DM und der Taufe eines Vierers und des Zweiers "Löwenburg" durch die Oberbürgermeisterin von Bonn, Bärbel Diekmann. Von der guten Sitte, neue Boote nach Bergen des Siebengebirges zu benennen, war man inzwischen abgekommen, zumal viele der Boote der alten Siebengebirgsflotte schon vorher teilweise wegen nur geringer Mängel außer Dienst gestellt worden waren. Zu den ausgemusterten Booten zählten "Spinnewipp" (Skiff, 1977), "Lohrberg" (1979), "Nonnenstromberg" (1995), "Galeere" und "Papa Dreck" (beide 90er). Dass sich der Steg wenige Monate zuvor bei einem Hochwasser gelöst hatte und man nun die Boote 500 Meter weit tragen musste, wurde relativiert durch das Versprechen der Stadt, für einen neuen Steg zu sorgen.

Ebenfalls 1995 löste sich der Altherrenverband aufgrund von Mitgliedermangel auf. Das nennenswerte Barvermögen des Vereins wurde dem GRV übergeben und der Einer "Delirium Remegis" wurde angeschafft.1998 wurde das Internet als Medium entdeckt und die erste GRV-Homepage ging online.

 

Jüngere Geschichtsschreibung des GRV